Wir sind engagierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kerpen, die es leid waren, sich immer nur über den bestehenden Öffentlichen Personennahverkehr(ÖPNV) zu beschweren. Wir wollten handeln! Aus diesem Grund ist die Gruppe ÖPNV im Netzwerk 55plus Ende 2008 entstanden.

Die Motivation der Einzelnen, aktiv zu werden, war sehr unterschiedlich: Einige wollten aus Alters- und Gesundheitsgründen den Pkw abschaffen, anderen sind die Kosten eines Pkws zu hoch geworden. Allen gemeinsam war jedoch der Wunsch gemein, im Alter weiter mobil zu bleiben.

Einige unserer wichtigen Anliegen sind:

Im Laufe der Entwicklung stellten wir fest, dass wir uns mit Gleichgesinnten solidarisieren müssen, um unseren Zielen mehr Gewicht geben zu können. Wir sprachen den Behindertenbeirat und den Seniorenbeirat der Stadt Kerpen an. Seit 2010 gehören Vertreter beider Gremien zu unserer Gruppe. Überdies nehmen wir gerne Anregungen von außen z.B. durch sachkundige Bürgerinnen und Bürger an.

Diskussionen schweißten uns zusammen. Einige Teilnehmer/innen kamen, andere gingen. Seit drei Jahren sind wir nun eine stabile Arbeitsgruppe, die gemeinsam ihre Ziele formuliert und umsetzt.

In der Vergangenheit konnten wir verschiedene Projekte und Aktionen in die Realität bringen und blicken mit gewissem Stolz auf einige Erfolge zurück.

Interne und externe Vernetzung

Impulse von außen nehmen wir gerne an und bringen unsererseits unsere Erfahrungen in Arbeitskreisen und Veranstaltungen ein.

So engagieren wir uns im kreisweit tätigen Netzwerk „Mobilität für Senior/-innen und Menschen mit Behinderung(NWM)“, das im Amt für ÖPNV des Rhein-Erft-Kreises angesiedelt ist.

Um neue Anregungen für unsere Arbeit zu erhalten, aber auch um andere Gruppen durch unsere Berichte zu motivieren, besuchten und besuchen wir Fachveranstaltungen wie z.B. Ende 2010 die Tagung „Mobilitätsmanagement für Senioren“ in Düsseldorf und 2011 die Fachgruppe „Seniorenmobilität“ des Verkehrsverbundes in Köln.

Ein Austausch mit dem Amt für Verkehr sorgt für die nötige Vernetzung im Rathaus. Ein wichtiger Schritt für die Gruppe war die Aufnahme in den Arbeitskreis(AK) ÖPNV der Stadt Kerpen. Der AK ist ein Gremium in der Stadtverwaltung, bestehend aus Politik, Verwaltung, sachkundigen Bürgern und den örtlich operierenden Verkehrsunternehmen, der die Sitzungen des Planungsausschusses in Sachen Verkehr vorbereitet. Hier bringen wir die für uns wichtigen Themen regelmäßig ein.

Die externe Vernetzung ist durch den Kontakt mit den örtlichen Verkehrsunternehmen sowie dem Verkehrsverbund abgerundet.

Demonstration für S-Bahnanschluss für Kerpen Mitte

Über Horrem und Sindorf besteht für Kerpen ein Anschluss an das S-Bahnnetz. Bis in die 1960-er Jahre gab es von Kerpen-Mitte ausgehend Anschluss an das DB-Netz. Auf einer gemeinsamen Demonstration setzten wir uns für die erneute Einrichtung einer S-Bahnlinie mit Halt in Kerpen-Mitte ein. Diese Bemühungen blieben bis zum heutigen Tage leider ohne Ergebnis.

Erfolgreich waren wir in der Umsetzung unseres Wunsches nach einer innerstädtischen Verkaufsstelle von Fahrkarten. Auf unsere Anregung hin werden inzwischen im Kerpener Rathaus Tickets für den ÖPNV verkauft.

Behindertengerechter Aus- bzw. Umbau von Haltestellen

Die barrierefreie Gestaltung von Haltestellen ist uns ein wichtiges Anliegen. Regelmäßig bringen wir dieses Thema gemeinsam mit dem Behindertenbeirat im Arbeitskreis ÖPNV der Stadt Kerpen ein. Wir freuen uns, dass mittlerweile einige Haltestellen in Stadtgebiet behindertengerecht ausgebaut wurden bzw. dieses in Planung ist.

ÖPNV-Testfahrten mit Vertreter/innen aus Politik und Verwaltung

Bereits mehrfach unternahmen wir in der Vergangenheit gemeinsam mit Vertreter/innen der Fraktionen und der Verwaltung Testfahrten mit dem ÖPNV. Die fiktiven Termine für den Aufenthalt nutzten wir, um bei Kaffee und Kuchen die Situationen zu erläutern. Die Gruppe konnte verdeutlichen, dass es nicht darum ging Kritik zu üben, sondern die Situation im ÖPNV unter Realbedingungen zu beurteilen. Außerdem konnten wir wichtige Erfahrungen in der Nutzung von Bus und Bahn weitergeben.

Bustraining

Durch den Kontakt der Gruppe mit der REVG (Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft mbH), RVK (Regionalverkehr Köln GmbH) und VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg GmbH) konnte in Kerpen ein Bustraining für Seniorinnen, Senioren und behinderte Mitbürger/innen durchgeführt werden. Die Veranstaltung fand mit vielen Interessenten aus Kerpen statt und hat durch die intensive Ansprache und praktischen Übungen manche Vorurteile und Berührungsängste gegen den ÖPNV zerstreut.

Auch die Presse hat sehr lobend darüber berichtet. Im Nachgang zu der Veranstaltung ergab sich ein wichtiger Pressekontakt: das ZDF wurde auf unsere Aktivitäten aufmerksam und war so interessiert, dass wir beim nächsten Bustraining am 16.05.11 von einem Film-Team begleitet wurden. Der sechsminütige Beitrag wurde am 07.06.11 in der Sendung „Volle Kanne“ ausgestrahlt und ist unter dem Titel „Sicher Bus -und Bahnfahren für Senioren“ heute noch im Internet abrufbar. Aufgrund der guten Resonanz erfolgt im September diesen Jahres ein weiteres Training.

Aktionstag „Der mobile Mensch“

Das Kerpener Netzwerk 55plus beteiligte sich mit einem Aktionstag auf dem Stiftsplatz in Kerpen an der bundesweiten ARD-Themenwoche „Der mobile Mensch“. In einem Bus der REVG wurden praktische Demonstrationen z. B. sicherer Ein- und Ausstieg angeboten. An einem Gerät der Verkehrswacht Bonn konnte das eigene Reaktionsvermögen getestet und ausgewertet werden. Ein Rauschbrillenparcours veranschaulichte die Auswirkungen von Alkoholkonsum. Außerdem informierten wir an Plakatwänden und mit einer Fotogalerie interessierte Kerpener Bürgerinnen und Bürger über unsere Arbeit.

Kinderzebrastreifen – Unterstützung der Kinderunfallkommission

Der Gedanke, Alt und Jung haben ähnliche Hürden und Gefahren im Straßenverkehr zu meistern, führte uns zu einer Zusammenarbeit mit der Kinderunfallkommission (KUK) der Stadt Kerpen. Im Projekt der KUK wurde ein Kreisel mit Zebrastreifen kindgerecht gestaltet. In die Idee und den Entwurf wurden die Schüler/innen der Ulrich-Schule in Sindorf vom ersten Tag an von den Stadtplanern, ADAC, Sponsoren etc. durch eigene Modellentwürfe mit einbezogen und durften auch die „Bemalung“ selbst gestalten.

Die Gruppe ÖPNV war eingeladen, das Projekt vom ersten Treffen in der Klasse bis zur Einweihung zu begleiten. Durch Gespräche mit den Kindern und einem gemeinsamen Stadtspaziergang, u.a. mit Rollator und Rollstuhl, wurde deutlich, wie ähnlich die Bedürfnisse und Anforderungen an die Verkehrsraumgestaltung für beide Gruppen sind.

Fußgängercheck

Durch die von Seiten der Gruppe sichergestellte Unterstützung in der Durchführung, bewarb sich die Stadt Kerpen in einem Wettbewerb des Netzwerkes „Verkehrssichere Städte und Gemeinden im Rheinland“. Seit Jahresbeginn führen wir nun einen sogenannten „Fußgängercheck“ in Kerpen durch. Wir nehmen durch eigene Befragungen und Ortsbegehungen die bestehende Ist-Situation (Bänke, öffentliche Toiletten, Nahversorgung, Barrieren im Fußwegenetz) auf. Die Ergebnisse unserer Untersuchung geben wir in schriftlicher Form an die Stadtverwaltung als Diskussionsgrundlage weiter. Zudem nutzen wir die Informationen für den Seniorenatlas, den wir für 2013 geplant haben.

In Kürze

Das Bild der „schicksalsergebenen“ Senior/innen passt heute nicht mehr: In Kerpen, einer Stadt im Rhein-Erft-Kreis, haben sich aktive ältere Menschen zusammengeschlossen, damit sie und andere sicher mobil bleiben. Im Beitrag werden diverse Aktionen der Gruppe vorgestellt.

Info:

Weitere Informationen: www.kerpen-55plus.de

 

Dieser Artikel von Gruppe ÖPNV des Kerpener Netzwerkes 55plus ist in mobilogisch! , der Vierteljahres-Zeitschrift für Ökologie, Politik und Bewegung, Heft 3/2012, erschienen. 

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