Kopfsteinpflaster ist für Radfahrer quälend, zumal auf längeren Strecken. Anders als im Auto spürt man auf dem Fahrrad jeden einzelnen Stein, wird durchgerüttelt und versucht spätestens nach zehn Metern, auf den Gehweg auszuweichen. Das ist verständlich, aber illegal.

Ein Plädoyer für Asphalt auf (fast) allen Fahrbahnen

Für eine umweltfreundliche Verkehrsgestaltung ist es u.a. erforderlich, dass möglichst alle Fahr­bahnen einen radfahrerfreundlichen glatten Belag haben. Am besten eignet sich dafür Asphalt, ob man ihn nun schön findet oder nicht. Kopfsteinpflaster geht gar nicht.

Kopfsteinpflaster wurde in den 80er Jahren als Versuch, den Kfz-Verkehr zu beruhigen, von Umweltverbänden befürwortet und gefördert. Asphalt wurde gleichgesetzt mit Rennpisten für Autofahrer. Die Bemühungen um Verkehrsberuhigung haben zumindest dazu geführt, dass mittlerweile in fast allen Wohngebieten Tempo 30-Zonen eingerichtet worden sind. Wozu also Kopfsteinpflaster? Bremst es wirklich den Autoverkehr aus? Eher nicht. Es bremst den Rad- und Fußverkehr. Ein Umdenken ist angesagt.

Manche haben sich so sehr an das Kopfsteinpflaster gewöhnt, dass sie es erhalten wollen, auch passionierte Radfahrer. Diese geben zu, dass sie in den Pflasterstraßen gerne auf dem Gehweg radeln und damit „kein Problem“ haben. Manche finden das sogar kommunikativ! Das Kopfsteinpflaster ist für sie Sinnbild einer gemütlichen beschaulichen langsamen Stadt, für Bremen eben.

Nicht so beschaulich ist das für zu Fuß gehende Menschen, insbesondere Ältere und Eltern mit kleinen Kindern. Sie müssen auf Gehwegen ständig vor Radfahrern auf der Hut sein. Beileibe nicht jeder Radfahrer schiebt, wenn er einem Fußgänger begegnet oder ihn auf dem Gehweg überholen will. Ein kurzes Klingeln, wer dann nicht springt, ist selbst schuld.

Manche finden, dass das Kopfsteinpflaster zu den alten Häusern einfach besser passt. Die vielen, teilweise auf dem Gehweg stehenden Autos, die historisch gesehen nicht zu dieser Postkartenromantik passen und den Blick auf dieses Ensemble verstellen, werden mental einfach wegretuschiert.

Die meisten Bewohner jedoch schimpfen über das Kopfsteinpflaster, das „im Viertel“ in Bremen flächendeckend anzutreffen ist. Bei Regen führt es bei Radfahrern zu üblen Stürzen. Die Rollgeräusche sind unangenehm laut. Alte Menschen bleiben mit dem Rollator in den Fugen hängen. Für Rollstuhlfahrer, die zuweilen den blockierten Gehwegen ausweichen müssen, ist Kopfsteinpflaster sehr unbequem. Blinde Menschen fürchten die Stolpergefahr. Das alles wiegt schwerer als der „schöne“ Anblick.

Wie denken die Städter heute über das Kopfsteinpflaster?

Um nachzuweisen, wie die Bewohner und Nutzer der Straßen wirklich darüber denken, hat der FUSS e.V. Bremen in einer Wohnstraße mit Kopfsteinpflaster und Altbremer Häusern eine Befragung durchgeführt. In 100 Briefen wurden die Anwohner gebeten, sich zu „Pflaster oder Asphalt“ zu äußern. Das Ergebnis: 15 Bewohner sind für die Asphaltierung ihrer Straße, fünf Bewohner sind für einen Asphaltstreifen in der Mitte, am Rand Kopfsteinpflaster und fünf Bewohner sind für den Erhalt des Kopfsteinpflas­ters in voller Straßenbreite. Bei einem Rücklauf von 25 % gab es 20 Befürwortungen für Asphalt und zehn für Kopfsteinpflaster. Eine deutliche Mehrheit ist also für Asphalt.

Hat man nur die Wahl zwischen Kopfsteinpflaster und Asphalt?

Das ist eine Kostenfrage. Sorgfältig verlegtes Kleinpflaster, gesägtes Großpflaster, Klinker und gestockte Granitplatten sind für die Bewegungsflächen der Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Radfahrer fast so gut geeignet wie Asphalt, und sehen in der Tat schöner aus. Aber diese Pflasterungen haben ihren Preis und werden nur in bestimmten attraktiven Altstadtbereichen verwendet, wenn die Kaufmannschaft noch etwas drauflegt. Das fördert den Umsatz!

Wohin mit den Pflastersteinen?

In fast allen Straßen kann es dort verlegt werden, wo es den Rad- und Fußverkehr nicht stört, z.B. im Parkstreifen. Gut einsetzbar ist es in der Freiraumgestaltung, für Hochbeete, Wegeeinfassungen und Sitzbereiche in Grünflächen. In den engen Gassen und auf den Plätzen der Stadtzentren kann Kopfsteinpflaster ein angemessenes Gestaltungselement sein. Regensburg, Groningen, Kopenhagen und Krakau sind gute Beispiele für gelungene begehbare Pflasterung in der verkehrsberuhigten Innenstadt. In Bremen gibt es Bereiche, in denen das Kopfsteinpflaster durchaus passt, z.B. im mittelalterlichen Schnoor. Aber da liegt es ja schon!

Bei aller Liebe zur Stadtbildpflege – Straßen und Plätze müssen in erster Linie gut nutzbar sein von allen, die in der Stadt leben und sie stressfrei wahrnehmen wollen, optisch, akustisch und frei von Hindernissen und anderen, die Bewegungsfreiheit beschneidenden Faktoren. Insofern hat das Kopfsteinpflaster als Fahrbahnbelag ausgedient. Asphalt ist einfach praktisch und – nebenbei - auch besser bespielbar!

 

Dieser Artikel von Angelika Schlansky ist in mobilogisch! , der Vierteljahres-Zeitschrift für Ökologie, Politik und Bewegung, Heft 2/2014, erschienen. 

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